Der Mummelsee, traumhaft gelegen an der Schwarzwaldhochstraße,
ist der größte der sieben verbliebenen Karseen des Schwarzwaldes.
Er ist 3,7 Hektar groß, hate einen Umfang von ca. 800 Metern,
ist 18 Meter tief und liegt auf 1.036 m ü.NHN. Der Name des
Mummelsees geht im Übrigen auf die weißen Seerosen zurück,
die im Volksmund "Mummeln" genannt werden.
Die Mummelsee-Sage
Der Mummelsee in den dunklen Tannengründen hat
seinen geheimnisvollen Namen von den Seefräulein
oder Mümmlein. Sie wohnen in seiner unergründ- lichen Tiefe in einem prächtigen, kristallenen Schloss.
Es ist umgeben von prachtvollen Gärten, in denen die
blutrote Koralle neben der duftenden Seerose wächst.
Die Mümmlein sind liebliche, reizende Gestalten von
zartem, schlankem Wuchs und rosiger Schönheit.
Jede Nacht steigen sie empor zu der Oberfläche des
dunklen Gewässers, vollführen beim Klang der
Instrumente einen lieblichen Tanz oder eilen mit der
Spindel den nächsten Häusern im Tal zu.
Vor Zeiten kamen die Mümmlein oft hinunter ins Tal
zu den Bauern und Holzhauern, halfen in Haus und
Hof oder hüteten die Kinder, wenn die Frauen auf
dem Feld zu tun hatten. Frühmorgens waren sie schon
da. Sobald es aber Nacht war und die Sterne am
Himmel standen, mussten sie alle wieder im kristall-
enen Schloss auf dem Grund des Sees sein. So war
es ihnen von ihrem König befohlen worden. Eines der
schönen Seefräulein gewann einen jungen Bauern-
sohn aus Seebach lieb. Als nun wieder Kirchweih im
Tal war, kamen die Seejungfrauen herab ins Wirts-
haus, wo der Tanz war. Das Mümmlein, das den
Bauernsohn gern hatte, tanzte einen Tanz nach dem
anderen mit seinem Liebsten. So schön wie das
Mümmlein war weit und breit kein Mädchen, und
keines konnte so zierlich und leicht tanzen.
Als es anfing zu dunkeln, kehrten alle Fräulein aus
dem See in ihr kristallenes Schloss zurück. Nur die
einen Seejungfrau, die ihren Liebsten im Dorf hatte,
konnte sich nicht von ihm trennen. Nur noch einen
einzigen Tanz wollte sie machen. Sie dachte, es
werde da unten im Tal eben früher Nacht als droben
im Wald. Aber sie tanzte noch einen Reigen und noch
einen. Und die Zeit verging, und sie wusste nicht, wie.
Plötzlich schlug es auf dem Turm zehn Uhr. Nun
wurde der Seejungfrau doch ihr Leichtsinn bewusst.
Es wurde ihr bang ums Herz. Und sie zog den
Liebsten aus dem Saal ins Freie. Schweigend eilte sie
mit ihm den Bergwald hinauf. Als sie an den See
kamen, sprach sie mit trauriger Stimme: „Jetzt
werden wir uns wohl nimmer sehen, denn ich werde
sterben müssen. Warte noch eine Weile am Ufer.
Steigt Blut aus der Tiefe, so habe ich mein Leben
verloren; wenn nicht, werde ich bald wieder bei dir
sein.“ Sie nahm eine Weidenrute und schlug damit
dreimal aufs Wasser. Da teilte es sich, und eine
marmorweiße Treppe erschien, die ins kristallene
Schloss hinabführte. Hinter dem Mümmlein schloss
sich das Wasser wieder. Es war dunkle Nacht, und
keine Welle regte sich.
Da stieg eine kleine dunkle Woge aus der Tiefe des
Sees empor. Es war das Blut des armen Mümmleins,
das für seine Liebe sterben musste.
